Invasive Elektrophysiologie

 

 

Herzrhythmusstörungen können unterschiedliche Symptome verursachen. Neben typischem Herzrasen und Herzstolpern können auch eine plötzliche Bewusstlosigkeit oder Schwindelanfälle durch Herzrhythmusstörungen bedingt sein. Auch kann sich eine Luftnot verstärken oder die Belastbarkeit abnehmen.

 

Der Schwerpunkt der interventionellen Elektrophysiologie der kardiologischen Klinik beschäftigt sich vorwiegend mit der Diagnostik und Therapie derartiger Herzrhythmusstörungen. Als diagnostische Mittel stehen Langzeit-EKG-Registrierungen (1-7

Tage), Ereignis-Recorder-Aufzeichnungen, Ergometrie, Kipptisch-Untersuchung und als invasive Prozedur die elektrophysiologische Untersuchung (EPU) zur Verfügung.

 

Während einige Rhythmusstörungen nicht behandlungsbedürftig sind, kann in anderen Fällen die Einnahme von Medikamenten notwendig sein. Bei vielen Rhythmusstörungen kann heutzutage durch eine sogenannte Katheterablation (als „Verödungs“- oder „Vereisungs“-Therapie) die Rhythmusstörung dauerhaft behoben werden.

 

Typische Indikationen für eine Katheterablation sind beispielsweise die AV-Knoten-Reentry-Tachykardie und  das WPW-Syndrom. Bei der AV-Knoten-Reentry-Tachykardie liegen üblicherweise zwei Leitungsbahnen im Bereich des AV-Knotens vor, der die Überleitung der Aktivierung von den Vorhöfen auf die Herzkammern vermittelt. Hierdurch kann eine kreisende Erregung auftreten (oft anfallsartig). Bei einem WPW-Syndrom liegt eine „Kurzschluss-Verbindung“ zwischen Vorhöfen und Kammern als Grundlage für das Auftreten von Arrhythmien vor. In beiden Fällen kann durch gezielte Energie-Abgaben die überflüssige Leitungsstruktur modifiziert bzw. eliminiert werden. 

Eine weitere interventionell sehr gut behandelbare Rhythmusstörung stellt das Vorhofflattern dar, welches meist auf einer kreisenden Erregung primär im rechten Vorhof beruht und durch die Anlage einer „Ablationslinie“ als Barriere behandelt wird. Ebenso können Vorhoftachykardien meist durch punktuelle Energie-Abgaben eliminiert werden, da hier meist einzelne Foci („Herde“)  für das Auftreten von Rhythmusstörungen verantwortlich sind.  

 

Zunehmend von Bedeutung ist die interventionelle Behandlung von intermittierendem (anfallsweisem) bzw. persistierendem (anhaltendem) Vorhofflimmern. Das Vorhofflimmern wird meist durch Trigger aus den Lungenvenen ausgelöst, da diese teilweise über Herzmuskelgewebe verfügen und elektrische Aktivität in den linken Vorhof aussenden können. Das Ziel der katheterinterventionellen Behandlung von Vorhofflimmern ist daher insbesondere die elektrische „Abtrennung“ der Lungenvenen vom linken Vorhof durch Anlage zirkumferenzieller Verödungslinien.  Hierdurch kann in vielen Fällen eine deutliche symptomatische Besserung erzielt werden.  

 

 

Katheterinterventionelle Behandlung von Vorhofflimmern

Darstellung des linken Vorhofs sowie der einmündenden Lungenvenen von der Rückseite in der Darstellung mittels eines „Mapping-Systems“ im Rahmen des Eingriffs (links) sowie in einer CT-Rekonstruktion (rechts)

Die roten Punkte stellen die „Verödungslinie“ um die linken Lungenvenen (LSPV/LIPV) bzw. die rechten Lungenvenen (RSPV/RIPV) dar.

Hierdurch wird verhindert, dass überflüssigerweise elektrische Aktivität aus den Lungenvenen in den linken Vorhof einfallen kann und somit Vorhofflimmern ausgelöst wird.

Eine weitere wichtige Therapie-Option stellt die Behandlung von Rhythmusstörungen der Herzkammern dar. Beispielsweise können sich nach einem Herzinfarkt Narben bilden, die ein Ausgangsort für das Auftreten von „Herzrasen“ sind. Neben der Behandlung mit Medikamenten und ggf. einem implantierbaren Defibrillator spielt die Katheterablation hier eine wichtige Rolle. Letztlich werden im Rahmen derartiger Eingriffe Narbenareale und deren Zusammenhang mit den Arrhythmien analysiert, so dass ein individuelles Konzept für eine Verödungsbehandlung erstellt wird.

Katheterinterventionelle Behandlung von „Herzrasen“ aus den Kammern (z.B. nach einem zuvor

durchgemachten Herzinfarkt)

Darstellung der linken Herzkammer und der an den linken Vorhof grenzenden Herzklappe (Mitralklappe / „mitral valve“) aus einer links-seitlichen Projektion sowie Darstellung von als Folge eines früheren Infarktes narbig veränderten Arealen („rot“).

Das Narbengebiet stellt den Ausgangspunkt zweier Formen von Kammer-Rhythmusstörungen dar („VT 1“, „VT 2“),  die durch „Stromabgaben“ erfolgreich eliminiert werden konnten (rote Punkte als „Ablationslinien“).

Kontaktdaten

 

Prof. Dr. Klaus Kettering

Oberarzt und Leiter der interventionellen Elektrophysiologie

 

Tel.:        069 / 6301- 7273

Fax:       069 / 6301- 6457

E-Mail:   klaus.kettering@kgu.de

 

Weitere Ansprechpartner:

Dr. Julia Erath

Tel. 069 / 6301- 6105

 

 
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© Uniklinik Frankfurt - Kardiologie - Prof. Dr. med. Andreas Zeiher

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