Telemonitoring bei Herzinsuffizienz

In Deutschland leiden ca. 1,2 Mio Patienten an Herzinsuffizienz, bei den > 65-jährigen Menschen ist sogar jeder 10. von einer Herzinsuffizienz betroffen. Die jährliche Inzidenz liegt bei ca. 200.000 Neuerkrankungen, und die Mortalität ist trotz großer Fortschritte bei der medikamentösen und interventionellen Therapie im fortgeschrittenen Stadium (NYHA II und III) bei etwa 9% / Jahr.

 

Dies führt dazu, dass Herzinsuffizienz der häufigste Grund für eine stationäre Krankenhausbehandlung ist. In Deutschland gibt es etwa 396.000 Herzinsuffizienz-bedingte Krankenhausaufenthalte. Komplizierend kommt hinzu, dass die überwiegend älteren Patienten mit Herzinsuffizienz eine hohe Komorbidität aufweisen (z.B. Nierenerkrankungen, COPD, Depression). In Anbetracht des demographischen Wandels ist ein deutlicher Anstieg bei der Anzahl der betroffenen Patienten ebenso wie bei den Herzinsuffizienz-bedingten Kosten zu erwarten.

 

Telemedizinische Konzepte zielen auf ein komplexes Monitoring von Vitalparametern (Herzfrequenz, Herzrhythmus, Blutdruck, Körpergewicht, Lungenblutdruck usw.) ab, um eine drohende Verschlechterung der Herzinsuffizienz frühzeitig zu erkennen und durch gezielte Maßnahmen (z.B. Anpassung der medikamentösen Therapie) den Patienten zu stabilisieren und erneute Krankenhausbehandlungen zu verhindern. So ist es für den Patienten einfacher, eine bessere Lebensqualität zu erreichen.

 

Bei sogenannten „klassischen Telemonitoring“ (nicht-invasiv) erhält der Patient entsprechende Geräte (Blutdruckmessgerät, Waage) und überträgt in der Regel einmal täglich über Telefon die erhobenen Daten an ein telemedizinisches Servicecenter oder die betreuende Klinik. Dort werden die Daten gesammelt und ausgewertet. Kommt es zu Überschreitungen individuell festgelegter Grenzwerte (zum Beispiel beim Körpergewicht), wird der Patient informiert, um entsprechende Maßnahmen einzuleiten.

Beim sogenannten invasiven Telemonitoring wird ein Sensor ohne eigene Stromversorgung (passives Implantat) über einen Rechtsherz-Katheter in eine Lungenarterie eingeführt wird. Dort misst der Sensor den Blutdruck immer dann, wenn sich der Patient auf das Abfragekissen der Patienteneinheit legt.

 

Der Sensor besteht aus einer Spule und zwei Schleifen, letztere gewährleisten, dass der Sensor die Arterie nicht verstopft und der Blutfluss nicht blockiert wird. Der Sensor (z.B. CardioMEMSTM) entspricht einer in den Körper eingebrachten Stimmgabel, welche durch einen von außen eingebrachten Energieimpuls in Schwingungen versetzt wird. Je nach Höhe des Blutdrucks schwingt die Spule unterschiedlich stark. Anhand der Frequenz des „Echos“ kann in der Folge der Blutdruck ermittelt werden.

Während der Nutzen des sogenannten klassischen, nicht-invasiven Telemonitorings bislang nicht einheitlich demonstriert werden konnte, liegt für das invasive Telemonitoring bislang eine große positive Studie für Patienten mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz aus den USA vor. Inwiefern sich diese Ergebnisse in unserem Gesundheitssystem reproduzieren lassen, wird gegenwärtig untersucht.

 

Es bleibt aber festzuhalten, dass Telemonitoring bei Herzinsuffizienz trotz zum Teil widersprüchlicher klinischer Ergebnisse eine Option zur Betreuung bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz darstellt, und eine Chance bietet zur besseren Vernetzung zwischen ambulanter und stationärer Betreuung.

 

 

Telemonitoring von implantierten Herzschrittmachern und Defibrillatoren

 

Eine weitere Anwendung der Telemedizin in der Kardiologie ist die bereits gut etablierte Nachsorge von Herzschrittmachern und implantierten Defibrillatoren.

 

Telemedizin bietet zahlreiche Möglichkeiten, um eine kontinuierliche Überwachung von Patienten mit kardialen elektronischen Implantaten zu gewährleisten. Alle Hersteller haben inzwischen entsprechende Systeme entwickelt. Spezielle Herzschrittmacher und ICDs sind mit einer Antenne ausgestattet und übertragen die Daten automatisch, ohne Zutun des Patienten an einen Patientenmonitor.

Dabei können neben Daten zur Systemintegrität (z.B. Batteriestatus, Impedanzen usw.) auch diagnostische Daten (z.B. Herzfrequenzen in Ruhe und bei Belastung, Stimulationsanteile, Schockabgaben, neu aufgetretenes Vorhofflimmern usw.) übertragen werden. Auch kurze intrakardiale EKGs werden übermittelt. Der Patientenmonitor überträgt die Daten über Mobilfunk an ein technisches Servicecenter. Der Arzt kann über einen passwortgeschützten Internetzugang auf die Daten jederzeit zugreifen. Eine Programmierung der Geräte über Telemonitoring ist nicht möglich.

 

Somit ist durch das Telemonitoring ist eine zeitnahe Erkennung von technischen oder medizinischen Problemen (z.B. Herzrhythmusstörungen, wie neu aufgetretenes Vorhofflimmern) möglich. Auch können Nachsorgeintervalle individualisiert werden. Das bedeutet, dass ausgewählte Patienten häufiger und andere seltener nachgesorgt werden können im Vergleich zu Routinenachsorgen alle drei bis sechs Monate. Die Vorteile des Telemonitorings bei Patienten mit Herzschrittmachern und ICDs konnten inzwischen in zahlreichen klinischen Studien nachgewiesen werden. Bei der Implantation insbesondere von ICDs und CRT-Systemen sollte heute das Telemonitoring als eine Option unbedingt in das Behandlungskonzept einbezogen werden.

 

Schlußfolgerung

Zusammengefasst bleibt festzuhalten, dass die Telemedizin sich in den letzten Jahren in der Kardiologie hat etablieren können. Damit stehen ergänzende Diagnostik- und Therapieverfahren für die Patienten zur Verfügung. Die Telemedizin kann und soll jedoch den persönlichen Kontakt zwischen Patient und Arzt nicht ersetzen.

 

Kontaktdaten

 

Shari Schauberger

Sekretariat

 

Tel.: 069 / 6301 - 7387

E-Mail: shari.schauberger@kgu.de

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© Uniklinik Frankfurt - Kardiologie - Univ. - Prof. Dr. med. Andreas M. Zeiher

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